Vorbilder und Tradition

In mehr als 1200 Jahren hat sich das Deutsche zu seinem heutigen Stand entwickelt. Dabei war es stets offen für den Austausch mit anderen Sprachen, denn es war und ist die Sprache der Mitte Europas. Das Deutsche hat vieles aus anderen Sprachen entlehnt und sich zu seinem Vorteil einverleibt, namentlich aus dem Lateinischen und Griechischen, Französischen und Italienischen, in den letzten 200 Jahren auch aus dem Englischen. Andere Sprachen, namentlich in Mittel-, Nord- und Osteuropa, haben ihrerseits das Deutsche zum sprachlichen Vorbild genommen und vieles aus dem Deutschen entlehnt. Doch gab es auch Zeiten, in denen der sprachliche Austausch überhandnahm und fremde Einflüsse den Bestand und die Ausdrucksmöglichkeiten des Deutschen bedrohten.

Im 17. Jahrhundert kämpften die Sprachgesellschaften gegen den übermächtigen Einfluß des Lateinischen und Französischen. Später wehrten sich die demokratischen, aufklärerischen Sprachschützer der „Franzosenzeit“ um 1800 gegen allzu großen französischen Spracheinfluß. In dieser demokratischen, aufklärerischen Tradition sieht sich die Stiftung Deutsche Sprache. Die teilweise nationalistischen und fremdenfeindlichen Einstellungen des „Allgemeinen Deutschen Sprachvereins“ um 1900 und alle Fremdwortjägerei sind für sie kein Vorbild, ebensowenig die halbherzige Lauheit, mit der die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ Grundfragen der Sprachentwicklung behandelt. Deshalb fühlt sich die Stiftung in ihren Zielen dem „Verein Deutsche Sprache“ verbunden und unterstützt dessen Arbeit im Rahmen ihrer Satzung. Die deutsche Sprache wurde in allen Abschnitten ihrer Entwicklung gepflegt, geachtet und geliebt, aber sie wurde auch durch Gleichgültigkeit mißachtet, durch Dummheit entwürdigt und durch Rattenfängerei mißbraucht ­ wie andere Sprachen auch. Deshalb gab es immer wieder Menschen, die gegen sprachliche Verwahrlosung und gegen die Geringschätzung der eigenen Sprache aufriefen:

Martin Luther, der das Deutsche zur Sprache des Gebets und des Gottesdienstes machte;

Gottfried Wilhelm Leibniz, der dem Deutschen den Weg zur Wissenschaftssprache ebnete;



Gotthold Ephraim Lessing
, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe, die zeigten, daß das Deutsche den Stoff zu zeitlosen Sprachkunstwerken liefern kann;



Jacob Grimm
, der die Grundlagen der wissenschaftlichen Grammatik des Deutschen legte und das „Deutsche Wörterbuch“ begründete;

schließlich Arthur Schopenhauer und Karl Kraus, die den Mißbrauch der deutschen Sprache durch gewissenlose Wortverdreher geißelten.

Sie alle gehören zu den Vorkämpfern für gutes, umfassend verwendbares und klares Deutsch, das keinesfalls auf Fremdwörter verzichtet, aber ihren Gebrauch klug bemißt und sich ihrer überlegt bedient, statt sich ihnen zu unterwerfen.











© STIFTUNG DEUTSCHE SPRACHE, 2005