Was und wie fördert die Stiftung?

Die Stiftung Deutsche Sprache fördert alle Bestrebungen, die der deutschen Sprache dienen, insbesondere solche, die den Schutz der Sprache und ihre Fortbildung zum Ziel haben. Sie wendet sich gegen die abträglichen Einflüsse, die viele Massenmedien, die Werbung und manche Personen des öffentlichen Lebens durch ihr „Denglisch“ auf unsere Sprache ausüben. Sie setzt sich für eine gründliche sprachliche Erziehung der jungen Generation ein.

Die Stiftung fördert die planvolle Entwicklung von Wortschätzen, die den Gebrauch englischer und amerikanischer Wörter und Wendungen überflüssig machen, indem sie gleichwertige deutsche Wörter und Wendungen erarbeitet. Das reicht von wissenschaftlichen Terminologien über die Verwaltungssprache bis zur Sprache der Massenmedien. Diese Aufgaben werden von den Einrichtungen, die staatliche Förderung für sprachliche Zwecke erhalten, weder ernst- noch wahrgenommen. Auch die Bundesregierungen Deutschlands und Österreichs halten sich nicht für zuständig, Maßnahmen gegen das Vordringen des Englischen ins Deutsche und andere sprachliche Fehlentwicklungen zu ergreifen. Die Schutzbehauptung, der Staat könne in sprachliche Entwicklungen nicht eingreifen, wurde durch die Rechtschreibreform überdeutlich und mit verheerenden Folgen widerlegt. Die Bürger selbst sind deshalb aufgerufen, den einflußreichen Kräften entgegenzutreten, die sprachliche Mißstände verschlimmern oder gleichmütig hinnehmen. Die deutsche Sprachgemeinschaft darf nicht widerspruchslos hinnehmen, daß sich das Englische als führende Sprache in wichtigen Lebensbereichen durchsetzt, wie das in vielen Wissenschaften und weiten Bereichen der Wirtschaft, der Werbung und der Massenmedien längst der Fall ist. Die Stiftung will dazu beitragen, daß die Sprachgemeinschaft wieder sprachliches Selbstbewußtsein und Liebe zu ihrer Sprache entwickelt und auch zeigt.

Die Stiftung Deutsche Sprache unterstützt die Dokumentation, Analyse und Entwicklung des Wortschatzes und der Grammatik des Deutschen. Sie verfolgt ihre Ziele durch Projektförderung, durch die Vergabe von Stipendien, durch die Ausschreibung von Wettbewerben, durch Öffentlichkeitsarbeit und durch Veröffentlichungen. So behält sie die Kontrolle über die Verwendung der ihr anvertrauten Mittel. Die Stiftung strebt die Einrichtung eines „Hauses der deutschen Sprache“ in Berlin an. Dort will sie wissenschaftliche Untersuchungen durchführen, Dauer- und Sonderausstellungen zeigen, ihre wissenschaftliche Arbeit konzentrieren und ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Stiftung beabsichtigt, Jahresberichte herauszugeben, die über ihre Arbeitsergebnisse und Pläne unterrichten. Dort sollen Spender oder Stifter, die der Stiftung im Berichtsjahr einen größeren Betrag zukommen ließen, mit ihren Anregungen und Wünschen vorgestellt werden und zu Wort kommen, wenn sie das wünschen.

Die PISA-Studie hat gezeigt, daß in Deutschland etwa ein Viertel eines Altersjahrgangs die Pflichtschulen verläßt, ohne wirklich lesen zu können. Viele Schulabgänger, auch Abiturienten, weisen erhebliche Schwächen im Gebrauch der deutschen Sprache auf. Das macht überdeutlich, in welchem Maße die sprachliche Erziehung vernachlässigt worden ist. Die Stiftung unterstützt deshalb Bemühungen, den Deutschunterricht an den Schulen, aber auch für die Auszubildenden im Handwerk, in der Wirtschaft und im Öffentlichen Dienst zu verbessern. Sie fördert auf diese Weise die Entwicklung von Sprachbewußtsein und Sprachkultur in der nachwachsenden Generation. Sie setzt sich dafür ein,

  • daß in den Kindergärten und Grundschulen die deutsche Sprache deutlichen Vorrang vor einer „frühen Fremdsprache“ behält,
  • daß die Stundentafeln für das Fach Deutsch erweitert statt gekürzt werden,
  • daß im Deutschunterricht der Sprachunterricht in den Mittelpunkt rückt und das Bewußtsein für den zeitlosen Wert der großen deutschsprachigen Literatur geschärft wird,
  • daß Deutsch bei allen Schulabschlüssen als Kernfach verlangt wird,
  • daß der sprachliche Anteil in der Ausbildung der Deutschlehrer gestärkt wird,
  • daß an deutschen, österreichischen und deutsch-schweizerischen Hochschulen auch künftig auf Deutsch gelehrt und geforscht wird.

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Die Vernachlässigung der sprachlichen Bildung gefährdet unsere Zukunft. Sie bewirkt nachlassende Innovationsfähigkeit, weil schöpferische Kraft verkümmert, sie behindert erfolgreiche Grundlagenforschung und lähmt die Industrieforschung, denn mathematische und naturwissenschaftliche Spitzenleistungen setzen perfekte Sprachbeherrschung voraus. Die Verwahrlosung unserer Sprache bedroht unsere Zukunft als Kultur-, Industrie- und Wirtschaftsnation.

Die Stiftung sieht die Förderung der deutschen Sprache als Muttersprache und als Fremdsprache in anderen Ländern als eine wichtige Aufgabe an. Sie beobachtet mit Sorge, daß das Interesse am Deutschen in vielen Ländern zurückgeht. Denn die Förderung der deutschen Sprache in anderen Ländern durch die auswärtige Kulturpolitik der deutschen und der österreichischen Bundesregierung entspricht seit Jahren nicht mehr der großen Nachfrage, und die einschneidenden Kürzungen der dafür in Deutschland eingesetzten öffentlichen Mittel beeinträchtigen die internationale Stellung des Deutschen ernsthaft. Deshalb fördert die Stiftung Bestrebungen, die das Interesse am Deutschen als Fremdsprache neu erwecken oder erhalten. Ebenso setzt sich die Stiftung dafür ein, daß das Deutsche als Arbeitssprache der Europäischen Union nicht länger zurückgesetzt und unterdrückt wird.








© STIFTUNG DEUTSCHE SPRACHE, 2005